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2010




Rufmord in Harzgerode von Kerstin Beier, 31.08.10, 19:13h


An sieben Gebäuden prangen solche verunglimpfenden Schmierereien. (Foto: Torsten Brehme)

HARZGERODE/MZ. Harzgerode steht unter Schock. Seit Dienstag gibt es in dem Städtchen im Unterharz kein anderes Gesprächsthema mehr als die Schmierereien an sieben Haus- und Mauerwänden. Großflächig, teilweise über 20 Meter hinweg, verunglimpfen fette Lettern einen ortsansässigen mobilen Pflegedienst. Die Spur zieht sich durch den ganzen Ort, vorrangig an den Hauptstraßen entlang.

Ziel der Attacke ist Adeline Großmann, die ihr Unternehmen seit 2005 in Harzgerode führt. Sie war am Dienstagmorgen auf dem Weg zu einem ihrer Patienten, als ihr von der erst vor kurzem sanierten Mauer an der Oberstraße die Schmiererei direkt ins Auge sprang: "Großmann Betrüger Dinst" war dort in fehlerhaftem Deutsch zu lesen. Was Frau Großmann in diesem Moment empfand, vermag sie kaum in Worte zu kleiden. "Ich weiß gar nicht, was ich denken soll. Ich kann mir das einfach nicht erklären", ist sie Stunden später noch fassungslos. Weder habe sie sich mit jemandem gestritten noch irgendwelche Beschwerden erhalten. "Fix und fertig" seien nicht nur sie selbst, sondern auch ihre 13 Angestellten, die trotzdem schnell zur Tagesordnung übergehen müssen. Die Patienten warten.

Dass die Arbeit von Adeline Großmann jemandem ein Dorn im Auge ist, kann sich auch Gerd Binnemann nicht vorstellen. Er betreibt seit 2003 den Rewe-Einkaufsmarkt und ist einer der Betroffenen - wie alle anderen auch ist er vollkommen unbeteiligt, hat nichts mit dem Pflegedienst zu tun. Dennoch kennt er Frau Großmann, hat selbst Angehörige, die von Mitarbeitern ihres Unternehmens betreut werden. "Ich kann nur Gutes sagen", meint er und setzt hinzu: "Ich finde das, was hier gelaufen ist, einfach nur armselig. Das ist Rufmord schlimmster Sorte". Als er morgens wie immer als einer der Ersten ins Geschäft kam, sah er die Bescherung.

Eine Bescherung übrigens, die nicht so schnell zu beseitigen sein dürfte. Denn der oder die Täter haben sich nicht mit Farbe begnügt, sondern für ihr zerstörerisches Tun Altöl verwendet, das sich in den Putz hineinfrisst und sich nicht einfach überstreichen lässt. Die Gespräche im Geschäft der Binnemanns drehen sich den ganzen Tag nur um das eine Thema. "Ich bin heute bestimmt 30-mal angesprochen worden, ob ich das denn schon gesehen habe", berichtet er. Die Kunden seien entsetzt, "die Leute haben nur den Kopf geschüttelt." Von Häme sei nichts zu spüren, das beherrschende Gefühl sei Mitleid mit Frau Großmann.

"Graffiti ist das eine, aber das hier ist noch ein anderes Kaliber und sehr erschreckend", kann Katja Thiele kaum glauben, dass so etwas in einem beschaulichen Städtchen wie Harzgerode, "wo die Welt eigentlich noch in Ordnung ist", passieren kann. Die Bauingenieurin mit eigenem Planungsbüro in Harzgerode war auf dem Weg zu einer Baustelle, als sie die Schmiererei an der Stützmauer, die zu ihrem vermieteten Grundstück gehört, sah. "Ich habe mich sehr erschrocken", sagt sie und versteht nicht, wie man, selbst wenn man mit dem Pflegedienst Probleme haben sollte, zu solchen "gemeinen Mitteln greifen und sich am Eigentum anderer Menschen vergreifen kann. Das ist schon sehr extrem", meint sie und schätzt den Schaden auf etwa 1 000 Euro. Andere, sagt sie, seien mit erheblich größeren Flächen betroffen. Für die werde es wohl noch teurer.

Natürlich hat der Vorfall am Dienstag auch die Polizei auf den Plan gerufen. Polizeihauptkommissar Karl-Heinz Riebenstahl von der Revierstation Harzgerode hat jedes der sieben betroffenen Gebäude untersucht und erfasst, Spuren gesichert. "In einem solchen Ausmaß hatten wir so etwas noch nicht in Harzgerode", stellt auch er fest. Mit Spekulationen hält er sich zurück, auffällig sei das gleiche Schriftbild an allen Gebäuden. Er hofft, dass sich Zeugen melden. "Da muss jemand was gesehen haben", vermutet er angesichts der Zeit, die der Täter für sein zweifelhaftes Werk wohl benötigt hat. Die meisten Betroffenen haben ohnehin Anzeige erstattet, wo die Eigentümer bisher nicht anzutreffen waren, habe er das von Amts wegen getan. "Das ist ein Offizialdelikt", begründet er den Schritt.

Hinweise nehmen die Beamten des Polizeikommissariats Quedlinburg unter der Telefonnummer 03946 / 97 70 entgegen.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung


Bericht vom MDR "Dabei ab 2"



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